Jean- Marc da Costa und Manfred Wolf im Gespräch mit The Frankfurter Autorin Martina Metzner

LIVING THE LIGHT - Aus THE FRANKFURTER, Ausgabe 03/2024

Von Martina Metzner

Im beschaulichen Rodgau feiert mit Serien Lighting ein internationales Design-Unternehmen 40 Jahre seines Bestehens, das stark mit der Region verbunden ist. THE FRANKFURTER traf die beiden Gründer und Inhaber Jean-Marc da Costa und Manfred Wolf zum Gespräch über die Anfänge an der Metallwerkbank und das Geheimnis einer langen Geschäftspartnerschaft.

Der Firmensitz von Serien Lighting ist relativ unscheinbar: ein altes Backstein-Gebäude mitten im Wohngebiet. Betritt man den Hof, denkt man zunächst, man sei in einer Oldtimer-Werkstatt gelandet – an vielen historischen Modellen wird wie ein Jaguar E-Type geschraubt. Dieses mechanische Tüfteln und die Liebe zu schönen, hochwertigen Dingen ist auch der Vibe, der den hier ansässigen Leuchtenhersteller ausmacht. Zunächst 1931 als Metallverarbeitungsfirma von Valentin und Friedrich Wolf ins Leben gerufen, die Bügel und Beschläge für die Offenbacher Lederwarenindustrie fertigte, gründeten Enkel Manfred Wolf und sein Studienkollege Jean-Marc da Costa hier 1984 die Firma, die sich zu einem der wenigen Design-Leuchtenhersteller aus Deutschland mit internationalem Renommee etablierte.

Humus for World Design Capital

Für das 40-jährige Jubiläum hat das Serien Lighting-Team ein paar Schätze aus dem Keller geholt. Höhepunkt der Feierlichkeiten war die Ausstellung „In Serien“, die im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt aktuelle und historische Entwürfe zeigte. Die Geschichte des Unternehmens ist stark mit der hiesigen Gestaltungsbranche verknüpft. Der Hersteller kann als gutes Beispiel dafür gelten, weshalb Frankfurt Rhein-Main so ein guter Humus für Designunternehmen bildet – was spätestens 2026 mit der Austragung des „World Design Capital“-Programms sichtbar werden wird.

Working with metal

Dass Serien Lighting zum Erfolg werden würde, hätten die Professoren von Marc da Costa an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach eher weniger gedacht. Seine Abschlussarbeit als Produktdesigner widmete sich dem Thema, wie man ein Designunternehmen gründet – und er sei damit fast durchgefallen, erzählt da Costa, Sohn eines Architekten, heute amüsiert. Damals, in den 1980er-Jahren war es nicht üblich, dass Designer:innen eigene Unternehmen gründeten, sondern rein als Servicedienstleister für andere Unternehmen entwarfen. Bei Wolf und da Costa war es genau umgekehrt – sie lernten sich an der Hochschule kennen und landeten schnell in der Werkstatt der Metallverarbeitungsfirma in Rodgau, die die Eltern von Manfred Wolf in zweiter Generation betrieben. Dort haben die beiden getüftelt, gepresst, gebogen, geschweißt und gelötet.

„Unsere Stärke ist die Flexibilität durch die eigene Fertigung und die Expertise in der Metallverarbeitung.“

— Jean-Marc da Costa und Manfred Wolf

Understanding light

Die Umstellung von Halogen, Leuchtstoff und Glühbirne auf die LED-Technik in den Nullerjahren hat der Hersteller gut hinbekommen. Natürlich ergeben sich durch die LED-Technik andere Möglichkeiten – unter anderem an der Leuchtenfamilie „Reflex“ (im Bild rechts) zu sehen, die ähnlich wie die „Reflex“ aus den Anfängen der Firma mit der Licht-Reflektion spielt. Dünne LEDs sind in einem filigranen Rahmen eines Kubus eingelassen und strahlen an den Himmel und die Decke der Leuchte, die wiederum das Licht reflektiert. „Wir haben lange nichts von Licht verstanden, und uns vor allem auf Form und Material konzentriert“, lacht da Costa die Karten auf den Tisch. Die Beschäftigung mit Licht und Lichtwirkung sei erst viel später gekommen. Neben dem Angebot an seriellen Design-Leuchten für den Privat- aber auch Objektbereich, gehören auch immer wieder Sonderanfertigungen dazu – wie etwa für Synagogen. Zuletzt entwarfen und fertigten sie eine Menora, den siebenarmigen Leuchter der jüdischen Religion, für die neue Synagoge in Dessau, die 2023 eingeweiht wurde.

Working with social enterprises

Genau diese Bodenständigkeit, die starke Bekenntnis zum Standort, die Leidenschaft für die Fertigung und für zeitgenössisches Design bilden das Erfolgsrezept, das die Geschäftspartner mit ihrem Team aus 35 Mitarbeiter:innen durch jegliche Krise gebracht hat. Den Standort verlegen oder die Produktion auslagern? „Nein, das hatten wir nie im Sinn. Wir sind auch heute noch zu 50 Prozent beteiligt“, erzählen sie uns. In Rodgau haben sie ein Werk für Montage und Qualitätskontrolle – außerdem arbeiten sie mit einer lokalen Werkstatt zur beruflichen Integration von psychisch erkrankten Menschen zusammen. Viele Komponenten beziehen sie mittlerweile fertig aus Deutschland, Ost- und Südeuropa oder aber auch aus Asien, die sie dann in Rodgau zusammenbauen.

Vieles machen und entscheiden sie nach wie vor gemeinsam. Da Costas Partnerin Nina arbeitet ebenso im Betrieb wie Manfred Wolfs Sohn Leo. An Frankfurt schätzen Wolf und da Costa, die beide in der benachbarten Metropole am Main wohnen, die zentrale Lage, die Nähe zur Messe – und dass sie jeden Morgen antizyklisch gegen den Verkehr mit der Sonne im Gesicht zu ihrer Arbeit nach Rodgau fahren können.

Respect and friendship

40 Jahre Geschäftspartnerschaft – das schaffen die meisten Ehen nicht. Manfred Wolf und Jean-Marc da Costa verraten das Geheimnis: „Einfach den anderen so sein lassen, wie er ist“. Sie teilen sich nach wie vor ein Büro – der eine aufgeräumt, der andere mit deutlich größerem Tisch und viel mehr Sachen drauf. Was der eine an dem anderen schätze? „Manfreds Durchhaltevermögen. Und die Weisheit, dass sich Dinge manchmal von selbst erledigen, wenn man sie länger liegen lässt“, sagt da Costa. Und Wolf fügt hinzu: „Jean-Marc geht auf Vertriebstour mit unseren Agenten. Das ist nicht so meins.“ Vieles machen und entscheiden sie nach wie vor gemeinsam. Da Costas Partnerin Nina arbeitet ebenso im Betrieb wie Manfred Wolfs Sohn Leo. An Frankfurt schätzen Wolf und da Costa, die beide in der benachbarten Metropole am Main wohnen, die zentrale Lage, die Nähe zur Messe – und dass sie jeden Morgen antizyklisch gegen den Verkehr mit der Sonne im Gesicht zu ihrer Arbeit nach Rodgau fahren können.

Wie denn das 80-jährige Jubiläum von Serien Lighting aussehe? „Wir werden noch lange hier sitzen und mit der Leidenschaft Leuchten entwerfen und fertigen“, so die spontane Antwort von da Costa. Mit der gleichen Freude widmet sich Wolf auch noch höchstpersönlich den Vintage-Serien-Leuchten, die zur Reparatur eingesendet werden: „Ich bin der Einzige in der Firma, der davon noch Ahnung hat“. Ansonsten bleiben die beiden in bewegten Zeiten entspannt – während Wolf viel Freude an seinen Oldtimern hat, genießt da Costa, Kind aus einer deutsch-portugiesischen Beziehung, die Sonne Portugals, wo er gerne Zeit verbringt.